Von Analog zu Digital
Wohl jeder der noch das analoge Zeitalter in der Radio- und Fernsehtechnologie
mitgemacht hat weiß, dass die Empfangsleistung von Radio- oder
Fernsehsignalen eingeschränkt sein konnten und dass man eine
Antenne, die man einmal auf den Empfang eingestellt hatte, möglichst
nicht mehr verrücken sollte. Bei einer "neuen" Anlage
oder auch nach dem Umzug waren eigentlich so gut wie immer Befehle
im Haus zu hören wie: "Noch etwas weiter links, ja gut,
nein etwas wieder weiter nach rechts, nach oben, nach unten; und
zwar so lange, bis der flimmernde Schneeschleier des alten Röhrenfernsehens
endlich ein einigermaßen scharfes Fernsehbild zeigte. Qualitätseinbußen
beim Ton- oder/und Bildempfang durch Störfrequenzen oder durch
schlechte Witterungsbedingungen waren zwangsläufig hinzunehmen;
Alternativen gab es nicht, dafür aber Fernsehen und das war
in den 1960er Jahren in den meisten Haushalten schon ein innovativer
Technologiesprung vom Mittelalter in die Neuzeit.
1923, also zu Beginn des Radios in Deutschland waren die Geräte
für die Durchschnittsbevölkerung gar nicht zu bezahlen.
Erst die Nationalsozialisten versorgten die deutschen Haushalte
ab 1933 mit bezahlbaren Radios (76 Reichsmark), im Sprachgebrauch "Volksempfänger" genannt.
Die Nazis missbrauchten das Radio dann zu ihrem Sprachrohr; Volkshetze
und letztlich Chaos waren die Folge. Zwischen Kriegsende (1945)
und Beginn des Wirtschaftswunders in Deutschland (1956) hatten
die meisten der überlebenden Menschen in Deutschland andere
Sorgen, als Radio zu hören. Die die sich für Radio interessierten
konnten Radio ab 1945 über UKW (Ultrakurzwelle) empfangen,
und zwar mit Röhrengeräten zum Preis von bis zu 800,00
DM, eine Summe von einigen Monatsgehältern.
In den Mitte der 1950er Jahren wurde das Radio mobil, nämlich
durch die Transistorradiogeräte. Plötzlich hatten die
Radiogeräte nicht mehr unbedingt ihren festen Platz in der
Küche oder im Wohnzimmer, man konnte das Radio überall
mit hinnehmen, so wie heute ein Handy im Verhältnis zum Festnetztelefon.
Hierdurch war der Siegeszug des Radios nicht mehr aufzuhalten;
aus dem Transistorradio wurde ein Kombigerät mit Kassetten
zum Abspielen und Aufnehmen, dann Radiorekorder mit CD-Spieler,
dann Walkmans und heute MP3-Player.
Bis in die Neuzeit lief der analoge Radioempfang über Langwelle,
Mittelwelle und Kurzwelle - oder anders: Ultrakurzwelle (UKW).
Erst nach der Jahrtausendwende wurde im Jahr 2001 erstmalig ein
Standard für den digitalen Empfang eingeführt, nämlich
das Digital Audio Broadcasting - DAB. Der DAB-Standard steht auch
für die allgemein gebräuchliche Bezeichnung "Digital
Radio". DAB wurde schnell um den so genannten weltweiten Digitalrundfunk
(DRM) erweitert, hierbei waren dann auch Datendienste und der Amateurfunk
mit eingeschlossen. Die Kombination DAB und DRM hat sich in Deutschland
allerdings nicht durchsetzen können; wer heute Radio hört,
der empfängt seine Signale über DVB-T, DVB-C, DVB-S oder
DVB-IPI (Internet).
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